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Ausstellung
Stille Unruhe - 07.09.2003 bis 15.11.2003

In Zusammenarbeit mit der Praxis für Kieferorthopädie
Dr. Engeln + Partner GbR


Beate Debus
Holzskulpturen, Holzschnitte, Zeichnungen

Höhenbalance
• 2002 • Eiche, Farbe gebrannt • 215 x 50 x 67 cm






In den Schriften des mittelalterlichen Meisters Eckhart findet sich ein Gleichnis des Erkenntnisvorgangs als einer bildhauerischen Arbeit: "Wenn ein Meister ein Bild macht aus Holz oder Stein, so trägt er das Bild nicht in das Holz hinein, sondern er schnitzt die Späne ab, die das Bild verborgen und verdeckt hatten; er gibt dem Holze nichts, sondern er benimmt und gräbt ihm die Decke ab, und dann erglänzt, was darunter verborgen lag. "

Meister Eckhart, Vom edlen Menschen






Entbergen innerer Bilder

Abtragen um Inneres zu entbergen, damit könnte ein künstlerisches Motto Hans Brockhages angesprochen sein - und zugleich auch dasjenige einer Künstlerin, die den prägnanten Einfluss des Mentors Brockhage nicht leugnet: Beate Debus.

Figuren wie die im letzten Jahr entstandenen "Trägerbalance", "Höhenbalance" oder "Trophäe" offenbaren einen bronzezeitlichen Idolcharakter. Ihre strenge Symmetrie zwingt den Betrachter zur Konzentration, gleichsam zur Andacht. Andere Skulpturen wie "Balance" I und II oder "Bootträger" haben eher den Charakter von Tischen oder Schalen, die etwas tragen bzw. darbieten, einen dunklen Keil oder eine nussartige Fruchtform. Zugleich gehen die dargebotenen Formen eine spannungsvolle dialogische Verbindung mit ihren Trägerformen ein: Sie liegen auf, lehnen sich an oder werden umfangen. In vielgestaltiger Weise werden so Balancen gegensätzlicher, aber doch einander determinierender Elemente hergestellt.

Tragendes Motiv sind Zweierbeziehungen, mit ihren Konflikten ebenso wie mit ihrer Chance zum Ausgleich. In unzähligen Varianten ist Beate Debus jenem Urkonflikt nachgegangen, der jede Zweierbeziehung prägt: Liebe und Hass, Wärme und Kälte, Hoffnung und Verzweifelung.

Ihre Figuren liegen, bäumeln, krümmen sich, sie umschließen einander oder sie öffnen ihre kompakten, noch von der Arbeit der Kettensäge gezeichneten Oberflächen für Ein- und Durchblicke, für Nischen und Höhlungen - immer im Bezug zur Empfindung menschlicher Existenz.

Es scheint, als habe Beate Debus nicht nur im bildhauerischen Prozess kontinuierlich die Späne und den "Rost" von ihren Hölzern abgetragen, sondern sei im parallel dazu verlaufenden biografischen Prozess der Individuation ebenso abtragend in ihr Innerstes vorgedrungen, um die eben dort verborgenen Bilder freizulegen: Eine kulturelle wie individuelle Archäologie der Seele.

ARTIBUS Text (gekürzt) von Kai Uwe Schierz - 2003

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